Der Chiemseer KräuterlikörDer Likör der Benediktinerinnenabtei Frauenwörth auf der Fraueninsel
Bayerische Klöster werden oft mit Bier in Verbindung gebracht. Doch auf einer Insel im Chiemsee geht es um Nonnen und Likör.
Bei bayerischen Klöstern denken die meisten an Bier, an Mönche mit roten Backen, die leutselig mit glänzenden Augen in einen Steinkrug blicken, an dickflüssiges dunkles Gebräu. Dem ist hier nicht so: Hier geht es um Nonnen und um Likör. Heilkräuter in Alkohol einzulegen, um daraus die gesundheitsfördernden Stoffe zu destillieren, hat bereits seit Arnaldo von Villanova Tradition, der diese Kunst im 13. Jahrhundert von seinen Kreuzzügen mitbrachte. Eigentlich begann der Likör also als Medizin, und dies ist er bei den Benediktinerinnen der Abtei Frauenwörth heute noch. Schließlich gibt es innerhalb des Benediktiner-Ordens ein großes Vorbild: „Bénédictine“, einst vom Benediktinermönch Dom Bernado Vincelli kreiert und heute zu Bacardi zugehörig. Schon Alma Mahler-Werfel soll davon täglich ein Gläschen genossen haben. Likörherstellung - eine benediktinische Tradition?Ist die Likörherstellung also eine benediktinische Tradition? In der Chronik des Klosters von 1263 wird erklärt, dass hier Heiltränke und -salben für den ganzen Chiemgau produziert wurden. Schnell erlangte die klösterliche Medizin Berühmtheit und 1396 war es dann soweit: Das „Ausprennen von Kräutern“ wurde erstmals urkundlich erwähnt. Doch wer will schon einfach einen Likör erstehen, ohne mehr zu erfahren? Kein Problem: Die Likörkellerei der Abtei Frauenwörth, wo die Schwestern den Kräuterlikör zubereiten, darf besichtigt werden. Das Getränk wird übrigens nicht gebrannt, sondern im Auszugsverfahren hergestellt. Die verschiedenen Kräutermischungen reifen in Säcken mehrere Wochen lang in einem Gemisch aus Alkohol und Wasser. Sodann wird Zucker hinzugefügt und das Ganze muss weitere drei Monate reifen. Danach erst wird der fertige Likör auf Flaschen gezogen und schließlich verkauft. Das Rezept? Ist geheim! Likörherstellung und andere Tätigkeiten im Kloster FrauenwörthDoch dies ist nur eine der vielfältigen Tätigkeiten hier im Kloster: Der Tagesablauf in der Abtei besteht aus Gesängen, Gebeten, Meditation und Rekreation und beginnt bereits um 5.45 Uhr mit dem Morgenlob. Daneben gibt es aber auch andere Arbeiten zu tun, wie zum Beispiel eben die Likörherstellung in der Likörkellerei oder die von Marzipan und Lebkuchen, die Arbeit im Klostergarten oder - laden, im Seminarbetrieb und dergleichen mehr. „Ora et labora!“, bete und arbeite, heißt der Wahlspruch der Benediktinerinnen. Die daraus entstandenen Herrlichkeiten kann der Besucher dann im Klosterladen erstehen. Kloster Frauenwörth auf der Insel FrauenchiemseeWir befinden uns auf der Insel Frauenchiemsee. Schon die Anfahrt mit den Schiffen der Chiemsee Schifffahrt ab Prien oder Gstadt ist prächtig: Ein weiß-blauer bayerischer Himmel, dazu die graublauen Alpen und die Chiemgauer Berge im Hintergrund, Sonnenstrahlen von oben und das Gluckern der Wellen des „Bayerischen Meers“ an Bug und Heck. Die Fraueninsel, wie sie auch oft genannt wird, ist nach der Herreninsel die zweitgrößte der drei Eilande im See. Nur ca. 12 Hektar ist sie groß, manche sprechen auch von 15, und natürlich autofrei. Ungefähr 300 Insulaner leben hier, in einer der kleinsten Gemeinden Bayerns. Kloster Frauenwörth aus dem Jahre 782 überragt alles, das Münster ist einer der ältesten Großbauten Süddeutschland. Die Klosterkirche beherbergt das Grab der seligen Irmingard, der ersten Äbtissin, und die Torhalle aus der Zeit der Karolinger mit ihren beeindruckenden Fresken von ca. 860 in der Michaelskapelle genauso wie der Friedhof mit den Grabmälern zahlreicher Inselmaler sind ebenfalls einen Besuch wert. Im Klosterladen der Abtei Frauenwörth im Chiemsee mag man schlussendlich eine Flasche des Klosterlikörs kaufen, oder zwei, oder drei. „Es ist ein Brauch von Alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ (Wilhelm Busch in: „Die fromme Helene“). Doch er schmeckt auch ohne Sorgen vorzüglich. Prosit!
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